FandiX: Terra Utopische Romane/FandiX Fantasy Vol. 1
von Jacek Rzeszotnik

Es dürfte heutzutage wohl kaum noch jemand geben, der die Vorteile der elektronischen Datenerfassung und -verarbeitung ernsthaft in Zweifel ziehen würde. Zwar hallen wie ein schadenfroh klingendes Echo so manche Geistesblitze nach, dass die Computer etwa die klügsten Idioten seien, die es gibt (Norman Mailer), oder als die "teuersten Trottel der Welt" (Renzo Favalli) bezeichnet werden könnten, oder aber dass der Mensch, der früher durch Fragen gepeinigt wurde, für die es keine Antworten gab, nun dank der Computer mit Antworten überschüttet werde, für die er nicht einmal die Frage stellen könne (Peter Ustinov), so ändert dies nichts an der Tatsache, dass die Rechenmaschine, der man nach reichlicher Erfahrung inbrünstige Hassliebe entgegenbringt, einen der wichtigsten Stützpfeiler unserer technischen Zivilisation bildet – auch unbeschadet des Faktums, dass dieser Stützpfeiler viel zu oft knackt und knarrt und mit einem Absturz droht (es verwundert daher nicht, dass Klaus Nissen und Martin Reuter die Empfehlung ausgesprochen haben, den Computer, wenn er dauernd abstürzt, mehr in Richtung Tischmitte zu schieben).

Genauso wenig dürfte es heutzutage noch jemand geben, der an der Brauchbarkeit von CD-ROMs und neuerdings von DVDs als Speichermedium generell Kritik üben würde (es sei denn, er würde sich über die allzu begrenzte Speicherkapazität der Silberlinge mokieren). Sie eignen sich hervorragend für data storage in einer den jeweiligen Bedürfnissen entsprechend aufgeschlüsselten Form: Verschiedene Enzyklopädien, Lexika und Wörterbücher bahnen sich mehr und mehr den Weg in den Bits & Bytes-Bereich und stellen dem Benutzer immer neuere Funktionen und Tools bereit, mit denen die gespeicherten Informationen aus den Datenbanken zielgerichtet abgerufen und mundgerecht serviert werden können. Der thematische Bogen dieser Datenzusammenstellungen deckt de facto alle möglichen Wissensgebiete ab: Er spannt sich hierbei von groß angelegten enzyklopädischen Projekten, die ihren Blick auf so ziemlich alle Bereiche der menschlichen (und nicht nur menschlichen) Existenz fokussieren, bis hin zu Produkten, die sich nur einem ganz konkret abgesteckten Feld zuwenden und es explorieren. Eines dieser Felder ist die Phantastik in allen ihren Ausprägungen.

Das Flaggschiff, welches das Meer der nichtrealistischen Literatur durchpflügt und der ganzen Flottille ähnlicher Produkte voransegelt, trägt den Namen The Multimedia Encyclopedia of Science Fiction (1995) von Peter Nicholls und John Clute. Doch dies bedeutet nicht, dass es in jeder Hinsicht Maßstäbe setzt, denn es gibt Projekte, die diesem grundlegenden CD-ROM-Werk in so manchem Bereich den Rang ablaufen. Unter sie reiht sich beispielsweise ein deutsches Großprojekt der Hackenbracht & Sandten GbR, Mönchengladbach, ein, das die Erstellung eines modular strukturierten und bibliographisch und datenstatistisch ausgerichteten Lexikons für phantastische und SF-Literatur auf CD-ROM anvisiert. Es setzt sich zum Ziel, die gesamte in deutscher Sprache (Originalausgaben wie Übersetzungen) erschienene phantastische Literatur in Wort und Bild zu erfassen und mittels leicht bedienbarer, handlicher Tools, die an den gesammelten Daten unterschiedliche Operationen vornehmen lassen, zugänglich zu machen. Von den bis jetzt geplanten fünf Modulen, die nach der Installation untereinander zu einem Ganzen verknüpft werden und unter der gemeinsamen Bezeichnung "FandiX" (fantastic index of the unknown) firmieren, liegen zurzeit (Stand: November 2001) zwei Teile vor: FandiX: Terra Utopische Romane/Science Fiction (er enthält Daten zu den 555 im Zeitraum 1957-1968 erschienenen Heftromanen dieser Reihe) und FandiX: Fantasy Vol. 1 (er enthält Daten zu folgenden Fantasy-Reihen: "Dragon", "Fischer Bibliothek der phantastischen Abenteuer", "Knaur Excalibur", "Mythor", "Terra Fantasy", "Terra Fantasy Neu" und "Torgo").
Nach erfolgreicher Installation und dem Start des Programms wird zunächst das so genannte Modulfenster eingeblendet, dem man entnehmen kann, welche Module des FandiX-Lexikons zugriffsbereit zur Verfügung stehen. Von diesem Fenster aus lässt sich entweder eine der CD-ROMs (Module) oder aber eine konkrete Reihe ("Reihen-Schnellwahl") direkt ansteuern (diese Option scheint jedoch ihre Aufgabe noch nicht ganz korrekt zu bewältigen, denn man erzielt mit einem Mausklick auf das Coverbild einer der installierten CD-ROMs genau denselben Effekt wie mit dem Anklicken einer konkreten Reihe in der "Reihen-Schnellwahl" – man landet immer im Hauptmenü der einschlägigen CD). Darüber hinaus kann man sich über die Schaltfläche "Statistiken" in den Bereich der statistischen Erfassung aller Daten auf allen installierten CD-ROMs reinklicken. So wird dem Benutzer die Möglichkeit eröffnet, Details und Rankings abzurufen, die ein Gesamtbild des Zusammengetragenen vermitteln und dafür die Kategorien "Reihen", "Genres", "Nr./Bände", "Autoren", "Übersetzer" und "Titelbildzeichner" bieten. (Den Interessierten sei am Rande verraten, dass die beiden derzeit vorliegenden CD-ROMs Auskunft über insgesamt 8 Reihen, 5 Genres, 1064 Titel, 254 Autoren aus 21 Ländern, 112 Übersetzer und 62 Titelbildzeichner liefern). Die Statistiken können zur weiteren Verwendung ausgedruckt, nach MS Word oder MS Excel und in das HTML-Format exportiert werden.

Gemeinsam für die beiden (und alle späteren) Module ist das Hauptfenster des Programms – die Indexseite –, das einen klaren und übersichtlichen Aufbau hat und optisch in zwei "Zonen" zerfällt: Links ein Registerreiter mit allen dem jeweiligen Heft/Roman zugehörigen Daten (Allgemeines, Autor, Roman, Weiteres, Statistik), rechts das gescannte Cover des Heftes/Romans sowie zusätzliche Steuerungs-Schaltflächen, über die man zum Modulfenster zurückkehren, das Hauptmenü der jeweiligen CD-ROM aufrufen, ein Suchfenster mit verschiedenen einstellbaren Suchoptionen und -parametern auf den Bildschirm bringen, zu unterschiedlichen Übersichten (Autor, Reihen, ausdruckbare Thumbnails) gelangen, das Fenster der Sammlungsverwaltung (Gestaltung von individuellen Einträgen im Lexikon) einblenden oder aber das Programm beenden kann. Die Indexseite des Moduls Fantasy Vol. 1 verfügt außerdem über weitere Schaltflächen, die eine ausgezeichnete Idee in die Praxis umsetzen: Bei Buchausgaben und Heften mit umlaufenden Coverbildern kann man über "Zur Rückseite" die Abbildung der Rückseite des Bandes aufrufen, da aber der Covertext hier nur schwer lesbar ist, lässt sich das Cover samt dem Text über "Zoom!" vergrößert aufblenden.

Die enorme Leistungsfähigkeit und wahre Funktionalität des Programms offenbart sich in der intuitiven Bedienung des ausgebauten Netzwerks von unzähligen Verknüpfungen, die hyperlinksartig praktisch beliebige Sprünge zwischen den Einzelangaben ermöglichen. Es lässt sich mit ihrer Hilfe eine lange Reise durch zahlreiche, miteinander verbundene Einträge unternehmen, wobei man die jeweiligen Verbindungskriterien immer wieder neu definieren und dadurch willkürlich Brücken zwischen Informationen schlagen kann, die vielleicht auf den ersten Blick keinen Zusammenhang ergeben.
Der enge Rahmen dieser Besprechung erlaubt es nicht, auf alle Vorteile des FandiX-Lexikons zu sprechen zu kommen, die es wahrhaft in Hülle und Fülle gibt und die den User auf seinem Erkundungsweg durch das Programm auf Schritt und Tritt positiv überraschen und dann beim regulären Gebrauch hervorragende Dienste leisten. Das modulare CD-ROM-Lexikon vereinigt nämlich zwei sehr wichtige Eigenschaften auf sich, die seinem Erfolg zu Grunde liegen: eine brillante Idee und ihre exzellente Verwirklichung. Dem mehr als gelungenen Konzept, umfangreiches bibliographisches Wissen in eine ansprechende Form zu gießen, ist eine beeindruckend professionelle Umsetzung gefolgt, die nun das Fundament für eines der ambitioniertesten Projekte zur phantastischen Literatur in Deutschland überhaupt bildet. Denn obwohl zurzeit schon zwei Module erhältlich sind, steht das ehrgeizige Unternehmen noch im Anfangsstadium. Deutschland gehört neben den USA und Großbritannien zum "Bund der Drei", bei denen die meiste phantastische Literatur der Welt erscheint, und diese Tatsache eröffnet einerseits exorbitante Perspektiven für die Fortführung des Unternehmens und verspricht andererseits eine ungeheure Menge abzuleistender Arbeit. Dass die "Macher" des Lexikons ihre Aufgabe ernst nehmen, sie als work in progress betrachten und sich auf ihren Lorbeeren nicht auszuruhen gedenken, beweist die FandiX-Homepage (www.fandix.de), auf der Updates für die Module bereitgestellt werden, die sie jedes Mal auf den neuesten Stand bringen, wobei hier nicht nur die Ergänzung und Erweiterung des Datenbestandes ins Auge gefasst, sondern auch Verbesserungen des Programms selbst angestrebt werden.

Zu guter Letzt erhebt sich noch die Frage, für wen das Lexikon bestimmt ist und wer es sich unbedingt zulegen sollte? Die Antwort ist einfach: alle. Sowohl die "SF-Konsumenten", als auch SF-Spezialisten. Die einen werden die Möglichkeit bekommen, nach gewissen Titeln gezielt zu suchen und die dazugehörigen Informationen abzurufen, die anderen hingegen werden das Gleiche tun und darüber hinaus über ein höchst effizientes Daten-Verknüpfungsnetz das zusammengetragene bibliographische Wissen verschiedentlich anzapfen können, um es dann für ihre eigenen Forschungen zu nutzen. Zwar könnte man es auch selbst in langer und mühsamer Arbeit beschaffen, doch eine solche Anstrengung wäre jetzt wirklich sinnlose Kräfte- und Zeitvergeudung. Für alle Sammler und bibliographisch interessierten Menschen, die übrigens nicht unbedingt SF-Liebhaber sein müssen, aber auf dem Gebiet Büchernachweis tätig sind, stellt das Lexikon in der Tat einen Meilenstein dar. (Und selbst wenn man keine Sammler- oder wissenschaftlichen Interessen hat, so sind die abgebildeten Cover ein Fest fürs Auge eines jeden Fans, das er sich nicht entgehen sollte.)

inen Nachteil des Lexikons muss man aber abschließend doch noch zur Sprache bringen: Die einzelnen Module erblicken viel zu selten die Welt. Man ist sich zwar dessen bewusst, dass die Vorbereitung eines jeden Lexikonteils Riesenarbeit bedeutet, man fiebert nichtsdestoweniger den nächsten Modulen voller Ungeduld entgegen.

FandiX
Hackenbracht & Sandten GbR
An der Meer 25
41372 Niederkrüchten

Mail: info@fandix.de 
USt-IdNr. DE203584816 
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